Nachhaltig­keit als globale Heraus­forderung

Erdüberlastungstage global und national

Der Erdüberlastungstag (englisch Earth Overshoot Day, zunehmend seltener auch „Ecological Debt Day“, „Welterschöpfungstag“, „Weltüberlastungstag“ oder „Ökoschuldentag“) ist in einer jährlichen Kampagne der Organisation Global Footprint Network der Tag des laufenden Jahres, an dem die menschliche Nachfrage nach nachwachsenden Rohstoffen das Angebot und die Kapazität der Erde zur Reproduktion dieser Ressourcen in diesem Jahr übersteigt. Der Erdüberlastungstag ist ein Aktionstag.

Jahr Datum Globaler Verbrauch in Erde-Einheiten / Verbrauch auf Deutschland reproduziert
1961 15. Mai 1962 0,73 (In diesem Jahr ließ die globale Ressourceninanspruchnahme/Jahr noch Reserven übrig)
1970 29. Dezemb. 1,01 (Seitdem übersteigt der Verbrauch/Jahr die global zur Verfügung stehenden Ressourcen)
1971 20. Dezemb. 1,03 Planeten Erde stellten ihre Ressourcen zur Verfügung
1972 10. Dezemb. 1,06
1973 26. Novemb. 1,10
1974 27. Novemb. 1,10
1975 30. Novemb. 1,09
1976 16. Novemb. 1,14
1977 11. Novemb. 1,16
1978 7. Novemb. 1,17
1979 29. Oktober 1,21
1980   4. Novemb. 1,18
1981 11. Novemb. 1,16
1982 15. Novemb. 1,14
1983 14. Novemb. 1,15
1984   6. Novemb. 1,18
1985   4. Novemb. 1,19
1986 30. Oktober 1,20
1987 23. Oktober 1,23
1988 15. Oktober 1,27
1989 11. Oktober 1,29
1990 11. Oktober 1,29
1991 10. Oktober 1,29
1992 12. Oktober 1,28
1993 12. Oktober 1,28
1994 10. Oktober 1,29
1995   4. Oktober 1,32
1996   2. Oktober 1,33
1997 29. Septemb. 1,34
1998 29. Septemb. 1,34
1999 29. Septemb. 1,34
2000 23. Septemb. 1,38
2001 22. Septemb. 1,38
2002 19. Septemb. 1,39
2003   9. Septemb. 1,45
2004   1. Septemb. 1,49
2005 25. August 1,54
2006 19. August 1,58
2007 14. August 1,62
2008 14. August 1,62
2009 18. August 1,59
2010   7. August 1,67
2011   4. August 1,69
2012   4. August 1,69
2013   3. August 1,70
2014   4. August 1,69
2015   5. August 1,68
2016   5. August 1,68
2017   1. August 1,71 / Deutschland 24. April
2018 29. Juli 1,74 / Deutschland 02. Mai
2019 29. Juli 1,74 / Deutschland 03. Mai
2020 22. August 1,56 / Deutschland keine Angabe
2021 29. Juli 1,74 / Deutschland 05. Mai
2022 28. Juli 1,75 / Deutschland 04. Mai
2023   2. August 1,70 / Deutschland 04. Mai
2024   1. August 1,70 / Deutschland 02. Mai
2025 24. Juli          / Deutschland 05. Mai
2026          / Deutschland 10. Mai
Internationale und nationale Gedenktage

Januar
11.01. Tag des deutschen Apfels
21.01. Ehrentage der Hörnchen
26.01. Tag der Umweltbildung + Tag der sauberen Energie
29.01. Tag des Blindenhundes
31.01. Zebra-Tag

Februar
02.02. Tag der Feuchtgebiete + Tag des Igels
10.02. Tag der Hülsenfrüchte
12.02. Internationaler Darwin-Tag
13.02. Tag des Wals
15.02. Tag des Regenwurms + Welttag der Schuppentiere

März
03.03. Tag des Artenschutzes
14.03. Erfahre-mehr-über-Schmetterlinge-Tag
20.03. Weltspatzentag
21.03. Tag des Waldes + Welttag der Gletscher
22.03. Weltwassertag + Tag der Robben + Earth Day
28.03. Ehrentag des Unkrauts

April
03.04. Welttag der Wassertiere
07.04. Tag des Bibers
13.04. Tag der Pflanze
22.04. Tag der Erde
23.04. Tag der Streuobstwiese
25.04. Tag des Baumes + Welt-Pinguin-Tag
27.04. Welttag der Möwen
28.04. Rettet-die-Frösche-Tag
30.04. Tag des Wolfes

Mai
02.05. Tag des Thunfischs
08.05. Welttag des Esels
10.05. Weltzugvogeltag I
16.05. Tag der Urzeitkrebse
20.05. Weltbienentag
21.05. Tag der kulturellen Vielfalt
22.05. Tag der Artenvielfalt
23.05. Weltschildkrötentag
24.05. Tag der Parke + Tag der Weinbergschnecke
29.05. Tag der Otter
30.05. Tag der Kartoffel
31.05. Welttag der Papgeien

Juni
01.06. UNESCO-Welterbetag + Weltbauerntag
05.06. Weltumwelttag + Tag gegen illegale Fischerei
08.06. Welttag der Ozeane
09.06. Tag des Gartens
11.06. Tag des Luchses
16.06. Tag der Meersschildkröten
17.06. Tag der Krokodile + Tag gegen Wüstenbildung
21.06. Welttag der Giraffe
22.06. Welttag der Kamele
26.06. Bärengedenktag
29.06. Tag der Tropen

Juli
03.07. Tag der Erdmännchen
06.07. Welttag der ländlichen Entwicklung
16.07. Welttag der Schlange
26.07. Weltmangroventag
28.07. Welttag des Naturschutzes
29.07. Welttag des Tigers
31.07. Welt-Ranger-Tag

August
04.08. Ehrentag der Eulen
08.08. Internationaler Katzentag
09.08. Tag der indigenen Völker
10.08. Tag des Löwen
12.08. Weltelefantentag
14.08. Welttag der Eidechsen
19.08. Tag des Oran-Utans
20.08. Welt-Moskito-Tag
22.08. Tag der Fische

September
14.09. Tag der Tropenwälder
16.09. Tag der Erhaltung der Ozonschicht
21.09. Tag des Geotops
22.09. Welt-Nashorn-Tag
24.09. Welttag des Gorillas
27.09. Tag der Pilze + Tag der Hasen
28.09. Tag der Flüsse

Oktober
01.10. Ehrentag des Waschbären
04.10. Welttierschutztag
07.10. Weltbaumwolltag
08.10. Welttag der Kraken
10.10. Welthundetag
11.10. Weltzugvogeltag II
13.10. Tag zur Verhinderung von Naturkatastrophen
16.10. Welternährungstag
17.10. Tag der Trittsteinbiotope
20.10. Tag des Faultiers
23.10. Tag des Schneeleoparden
31.10. Welt-Lemuren-Tag

November
03.11. Welttag der Quallen
05.11. Tag gegen Umweltausbeutung in Kriegen
09.11. Rettet-die-Kastanien-Tag
24.11. Tag der Sardine
29.11. Welttag des Ameisenbären

Dezember
04.12. Internationaler Gepardentag
05.12. Weltbodentag
07.12. Rettet-die-Haie-Tag
10.12. Tag der Tierrechte
11.12. Tag der Berge
14.12. Tag der Affen

positive Meldung

Neue Studie: Amazonas nah am Kipppunkt Entwaldung und Klimaerwärmung könnten den südamerikanischen Regenwald bald an seine Grenzen bringen. Ein neuer El Niño lässt Dürre befürchten.

Neue Studie: Amazonas nah am Kipppunkt

Entwaldung und Klimaerwärmung könnten den südamerikanischen Regenwald bald an seine Grenzen bringen. Ein neuer El Niño lässt Dürre befürchten.

Quelle: nd DER TAG 20.05.2026

Der Amazonas-Regenwald beherbergt nicht nur eine unfassbare Fülle verschiedenster Lebewesen, er speichert in seiner Biomasse auch gewaltige Mengen Kohlenstoff. Damit ist er ein zentraler Bestandteil des Klimasystems der Erde. Er zählt dabei zu den sogenannten Kippelementen: Werden kritische Grenzwerte überschritten, setzen selbstverstärkende Prozesse ein, die dazu führen, dass große Teile dieses einzigartigen Ökosystems absterben und sich in eine Art Savanne verwandeln – mit weitreichenden Folgen für den Wasserhaushalt großer Teile des Kontinents sowie für den ganzen Planeten. Und dieser Kipppunkt könnte gefährlich nahe sein.

Zu schaffen macht dem Amazonas-Regenwald zweierlei: die Entwaldung und die globale Erderwärmung. Viele Hektar fallen jedes Jahr Holzschlag, Viehzucht und Sojaanbau zum Opfer. Etwa 17 bis 18 Prozent der ursprünglichen Waldfläche sind schon verschwunden. Namentlich der Südosten ist bereits stark fragmentiert. Unter dem brasilianischen Präsidenten Lula da Silva konnte diese Entwicklung zwar abgeschwächt, aber nicht gestoppt werden. Starke Dürre und großflächige Brände trieben 2024 die Entwaldungsrate in ungekannte Höhen.

Der anthropogene Klimawandel bedroht das Ökosystem seinerseits durch steigende Temperaturen und veränderte Niederschlagsmuster. Dabei interagiert er mit der Abholzung, denn der Amazonas wird nicht nur durch den südamerikanischen Monsun mit Regen versorgt, sondern ist selber Teil des kontinentalen Wasserkreislaufs, indem er über die Wurzeln Wasser aufnimmt und über die Blätter wieder an die Atmosphäre abgibt. Je stärker die Waldfläche schrumpft, desto weniger Wasser verdunstet und gelangt über die Passatwinde tiefer ins Innere des Kontinents, um dort abzuregnen. Dies ist für die Existenz der dortigen, noch weitgehend intakten Waldgebiete von essenzieller Bedeutung ebenso wie für die Landwirtschaft des gesamten La-Plata-Beckens.

Eine Anfang des Monats im Fachjournal »Nature« erschienene Studie von Nico Wunderling vom Potsdam-Institut für Klimafolgen-forschung (PIK) und Kolleg*innen liefert erschreckend niedrige Grenzwerte, ab wann der Amazonas, wenn sich seine Abholzung fortsetzt, bereits kippen könnte. Bei einem Waldverlust von 22 bis 28 Prozent reiche bereits eine globale Erwärmung von 1,5 bis 1,9 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter, um zwei Drittel des südamerikanischen Regenwalds in eine Savanne zu verwandeln. Ohne eine weitere Rodung läge der Kipppunkt erst bei 3,7 bis 4 Grad.

nd DER TAG 20.05.2026

Plastik mit Heizeffekt – Feine Kunststoffpartikel in der Luft absorbieren Sonnenlicht

Plastik mit Heizeffekt
Feine Kunststoffpartikel in der Luft absorbieren Sonnenlicht
Quelle: nd DIE WOCHE 08.05.2026

Von den Ozeanen bis zu den Polen, vom Ackerboden bis zur Luft, die wir einatmen, Plastik, über die Zeit zerrieben zu den feinsten Partikel, ist überall. Es findet sich in tierischen und menschlichen Organen und selbst in der Muttermilch. So weit, so bekannt. Die zahlreichen Wirkungen, die die Verwandlung von Natur und Körpern in eine weltweite Plastiksphäre zur Folge hat, werden zum großen Teil noch erforscht. So können etwa Krankheitserreger auf Plastikteilen im Meer reisen.
Nicht nur die Umweltverschmutzung, sondern auch die Klimakrise könnte durch den vom Menschen in Umlauf gebrachten, erdöl-basierten Kunststoff weiter angetrieben werden. In erster Linie geschieht dies dadurch, dass bei der Herstellung, Müllverbrennung oder auch dem langsamen Zerfall CO2 freigesetzt wird.
Ein chinesisch-US-amerikanisches Forschungsteam macht mit einer neuen Arbeit nun darauf aufmerksam, dass Mikro- und Nanopartikel aus Plastik sich auch auf die Strahlungsbilanz auf der Erde auswirken könnte, das heißt darauf, welcher Teil der Stahlungsenergie der Sonne auf der Erde verbleibt und welcher wieder zurückgeworfen wird.
Aerosole, vor allem aus farbigem Plastik, sorgen laut einer im Fachjournal „Nature Climate Chance“ veröffentlichten Studie dafür, dass sich die Atmosphäre und damit auch die Erdoberfläche stärker erwärmt als ohne die Partikel. Damit verhalten diese sich ähnlich wie Rußteilchen, die ebendfalls die Sonneneinstrahlung absorbieren. Farbiges Nano- und Mikroplastik könnte zur globalen Erwärmung beitragen, und zwar in einer Größenordnung von rund 16 Prozent dessen, was derzeit auf Rußpartikel zurückgehe, heißt es in einer Mitteilung des Journals. Zwar wäre dieser Klimaeffekt weitaus geringer als der von Treibhausgasen, aber durchaus substanziell, wie der Wissenschaftler Gilberto Binda von der Iniversity of Insubria in einem begleitenden Artikel in dem Fachjournal kommentiert, „besonders wenn man bedenkt, dass Mikroplastik und Nanoplastik eine Klasse von Luftschadstoffen darstellen, die bisher in Klima-bilanzen nicht systematisch erforscht sind.“
Das Forschungsteam um Hongko Fu von der chinesischen Fundan University und der US-amerikanischen Duke University hat im Labor mittels Elektonenspektroskopie untersucht, wie stark Farbpartikel verschiedener Größe und Farben das Sonnenlicht absorbieren. Hier stellte sich heraus, dass sowohl Farbe als auch Größe eine wichtige Rolle spielen. Schwarze, rote und gelbe Partikel nehmen Wärme auf, erklärt Fu sagt weiter: „Nanopartikel sind winzug, aber wirkungsvoll. Sie bleiben länger in der Luft und absorbieren ungefähr zehn mal so viel Sonenlicht wie die gleiche Masse an Mikroplastik.“
„Wir wußten zuerst gar nicht, ob diese Partikel wärmen oder kühlen“, erläutert Ko-Autor Drew Schindell von der Duk University. „Der Netto-Effekt ist aber, dass fast alle Partikel erwärmend wirken.“ Das liegt vor allem daran, dass das meiste Nano- und Mikroplastik far-
big ist. Weiße Partikel hingegen können mehr Sonnenlicht reflektieren, kommen aber vergleichsweise selten vor.
Unabhängig von der Farbe können Aerosole auch das Klima abkühlen, je nachdem, aus welchem Stoff sie bestehen. Schwefel-säuretröpfchen etwa bilden einen Dunst, der Sonnenlicht abschirmt. Daher gibt es auch die wissenschaftliche These, dass ein Rückgang schwefelhaltiger Schiffsemissionen seit inkrafttreten neuer Grenzwerte im Jahr 2020 zur Erderwärmung beigetregen haben könnte – da eben deren kühlender Effekt weggefallen ist.
Dass Plastikartikel sich eher wie Ruß als wie Schwefel verhalten, ist vor diesem Hintergrund ein enormer Erkenntnisgewinn. Um die weiterreichenden Auswirkungen auf das Klima zu verstehen, kombinieren die Forschen ihre Labormessungen mit Modellen zum atmossphärischen Transport der Plastikpartikel. Denn um zu wissen, wie stark diese auf das Klima einwirken, muss man wissen, wie hoch die Konzentration in der Luft ist. Regional dürfte diese unterschiedlich groß sein. Fu vermutet beispielsweise einen größeren Klimaeffekt über dem Pazifikbereich, der als großer, pazifischer Müllstrudel bekannt ist. Denn hier gelangen wahrscheinlich größere Mengen des fein zerriebenen Materials in die Luft.
In der Modellierung liegen allerdings auch die größten Unwägbarkeiten der Studie. Shindell beziffert die Unwägbarkeiten der Ergebnisse auf plus/minus 50 Prozent bezüglich der optischen Eigenschaften der Partikel. Die Partikeldichte in der Atmosphäre könnte sogar um das Zweifache über- oder unterschätzt werden. Nicht an der Studie beteiligte Wissenschaftler halten die Unsicherheit hier sogar für größer. „Es gibt leider global nur sehr wenige Messdaten bezüglich der Konzentration von Mikro- und Nanoplastik in der Atmosphä-re, und die verschiedenen Mess- und Sammelmethoden führen oft zu unterschiedlichen Resultaten“, kommentiert Andreas Stohl, Professor für Meteorologie an der Universität Wien.
Die neue Studie kann nur ein Anfang sein, um die Auswirkungen von Mikro- und Nanoplastik auf das Klima besser zu verstehen. Eine genauere Überwachung und verbesserte globale Datensätze wären nötig, um den Effekt der Partikel in Klimamodelle einzubeziehen, schreibt Binda. „Da die Plastikproduktion weiterhin weltweit steigt, wird es immer dringender, die Rolle der Partikel in der Atmosphäre zu verstehen.“
Eine weitere interessante Fragestellung könnte sein, inwiefern die Aerosole aus Kunststoff die Wolkenbildung beeinflussen. Wie Ruß oder Staubpartikel könnten sie als Kondensationskeime fungieren, an denen Wolken entstehen. „In ausreichender Mengen könnten sie die Albedo, den Niederschlag und die Lebensdauer von Wolken verändern und damit insgesamt die Strahlungsbilanz und das Klima der Erde beeinlussen.“, heißt es in einem im Jahr 2022 in „Nature Geoscince“  veröffentlichten Artikel zur Wirkung von Mikro- und Nanoplastik in der Atmosphäre. Schon hier wird gefordert, mehr Wissen hinsichtlich der Konzentration und Größe dieser Teilchen zu erlangen.
Ungeachtet weiterer Forschung läßt sich wohl derzeit schon sagen, dass es auch dem Klima zugutekäme, die weltweite Plastikverschmutzung einzudämmen.

Quelle: nd DIE WOCHE 08.05.2026

Zahl der Woche: 1.500.000.000

Zahl der Woche: 1.500.000.000

Quelle: nd Der Tag, 08.05.2026

1,5 Milliarden Kilogramm Palstikmüll exportierte die EU im vergangenen Jahr. Davon ging etwa die Hälfte an Nicht-OECD-Staaten. Insgesamt waren die Türkei, Malaysia und Vietnam Hauptempfängerländer europäischen Plastikmülls. Laut „The Guardian“ hat allein Europaspitzenreiter Deutschland vergangenes Jahr 810 Millionen Kilo Plastikmüll außer Landes geschafft. Das wäre ein deutschlicher Anstieg gegenüber den 495 Millionen Kilo, die die NGO Basel Action Network für 2024 vermeldet hatte. Plastikmüllexport ist in der EU auch deshalt weit verbreitet, weil die Unternehmen den Export als Recycling verbuchen können.
Quelle: nd Der Tag, 08.05.2026

Golfstrom: Europas Wärmezufuhr wird unsicher

Golfstrom: Europas Wärmezufuhr wird unsicher

Neuen Klimamodellen zufolge könnte sich die Nordatlantikströmung bis zum Jahr 2100 um die Hälfte abschwächen – mit gravierenden Folgen

Quelle: nd DIE WOCHE 24.04.2026

Europas Standheizung, der Golfstrom, läuft und läuft und läuft. Die von ihm herangeführte Wärme sorgt seit mehr als 10 000 Jahren für ein für die vergleichsweise hohen Breiten mildes Klima, das den Ackerbau hierzulande erst möglich macht. Doch wie lange noch? Diese Frage treibt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler seit mehr als drei Jahrzehnten um, seitdem ihnen bewusst wurde, dass das, was sie fachsprachlich Atlantische Meridionale Umwälzzirkulation (AMOC) nennen, in einem wärmeren globalen Klima aller Wahrscheinlichkeit nach zum Erliegen kommen wird.

Nur wann das geschieht und wie warm es dafür im globalen Mittel werden muss, ist schwer zu bestimmen. Klar ist nur, dass der (Erwärmungs-)Punkt, an dem der Golfstrom abbricht, nicht mehr allzu fern ist und erreicht werden wird, wenn nicht endlich drastische Klimaschutzmaßnahmen ergriffen werden. Eine der größten Schwierigkeiten bei der Eingrenzung dieses Kipppunktes ist die Tatsache, dass es erst aus jüngerer Zeit aussagekräftige direkte Messungen dieser für uns so wichtigen Meeresströmung gibt. Die Zeitreihen, aufgenommen von autonomen Messbojen, reichen gerade einmal etwas mehr als 20 Jahre zurück.

Neue Modellierung

Nun haben Forschende an der Universität von Bordeaux in Frankreich einen Weg gefunden, eine Reihe zusätzlicher, indirekter und besser verfügbarer Beobachtungsdaten in die Modellierung der Strömung einzubeziehen. Ihr Ergebnis gibt Anlass zur Sorge. Schon in einem mittleren Szenario, in dem bis zum Ende des Jahrhunderts nicht allzu viele Kriege ausbrechen, der Konsum nur mäßig wächst, die globale Ungleichheit ein wenig abgebaut wird und die neuen Technologien im mäßigen Tempo ausgebaut werden, ist demnach davon auszugehen, dass sich das AMOC-System um 51 Prozent (plus/minus acht Prozent) abschwächen und der Golfstrom entsprechend weniger Wärme in den Norden bringen wird – verbunden mit drastischen Veränderungen von Temperaturen und Niederschlägen. Das ist demnach eine um rund 20 Prozentpunkte stärkere Abschwächung, als mit bisherigen Modellrechnungen und dem gleichen Szenario berechnet wurde. Die Studie wurde Mitte April in »Science Advances« veröffentlicht.

Allerdings wird der Zusammenbruch der Meeresströmungen nicht über Nacht passieren, sondern sich über ein paar Jahrzehnte hinziehen. Einiges an Anpassung wäre also möglich, vorausgesetzt, dass es eine rechtzeitige und zuverlässige Vorwarnung gibt. Dazu haben sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität von Utrecht in den Niederlanden angeschaut, auf welche Randbedingungen das AMOC-System in den verschiedenen Klimamodellen besonders sensibel reagiert. Das Ergebnis: Der Salzgehalt im subtropischen südlichen Atlantik ist der beste Indikator, an dem frühzeitig ein bevorstehender oder beginnender Zusammenbruch der Strömungen abzulesen sein wird. Die Arbeit erschien im November 2025 in »Advancing Earth and Space Sciences«.

Möglicher Vorbote des Kollapses

Im äußersten Norden scheinen derweil die Verhältnisse einer AMOC-Abschwächung zu widersprechen. Dort war die Strömung an Island vorbei ins Nordmeer in den vergangenen Jahrzehnten stabil, und Modellrechnungen deuten sogar darauf hin, dass sie sich in Zukunft etwas verstärken wird. Das Wasser gefriert nördlich von Island an der Eiskante und gibt dabei sein Salz an das zurückbleibende Wasser ab. Dadurch erhöht sich dessen Dichte, und es sinkt somit in größere Tiefen ab, wo es schließlich äquatorwärts abfließt. Der Mechanismus ist Teil des AMOC-Systems und gilt als einer seiner Motoren, weshalb seine ungebrochene Stabilität bisher eher beruhigend wirkte.

Damit räumt nun allerdings eine soeben in »Ocean Science« veröffentlichte Untersuchung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung auf. In der Brandenburger Hauptstadt wurde festgestellt, dass es im AMOC-System eine unerwartete Wechselwirkung gibt. Demnach führt eine Abschwächung des südlichen AMOC-Zweigs im Norden zunächst zu einer Verstärkung, weil durch sie weniger Salz in die Gewässer südlich von Island gelangt. Dadurch steigt der Kontrast in der Salinität, wodurch das Absinken am Eisrand unterstützt wird. Erst wenn der südliche Zweig gänzlich abbricht, wird auch der Motor im Norden ausgeschaltet. Mit anderen Worten: Im Norden scheint Stabilität eher der Vorbote des Zusammenbruchs zu sein. Dialektik pur.

Quelle: nd DIE WOCHE 24.04.2026

Sicherheit statt Umweltschutz Die Politik schätzt erneuerbare Energien als Mittel der nationalen Energieunabhängigkeit. Zu teuer darf die Klimarettung aber nicht werden

Sicherheit statt Umweltschutz

Die Politik schätzt erneuerbare Energien als Mittel der nationalen Energieunabhängigkeit. Zu teuer darf die Klimarettung aber nicht werden

Quelle: nd Der Tag 23.04.2026

Der Westhafen liegt mitten in Berlin. Es ist ein malerischer kleiner Binnenhafen mit vielen roten Backsteingebäuden. In einem der größten Gebäude, einer ehemaligen Lagerhalle, finden mittlerweile regelmäßig nationale und internationale Konferenzen statt. Blickt man von dem Konferenzort über den Westhafen, beobachtet man kleine Schiffe, die auf dem Wasser dümpeln, auf der anderen Uferseite stehen farbenfrohe Container gestapelt. Und im Hintergrund: zahlreiche gigantische Mineralöltanks.

Das ist die unpassende oder vielleicht doch eher passende Kulisse für das Treffen von Minister*innen aus über 30 Ländern zum Petersberger Klimadialog – einer internationalen Zusammenkunft zur Vorbereitung auf die nächste Weltklimakonferenz. Neben den aus der Europäischen Union, Brasilien, China oder den Vereinigten Arabischen Emiraten angereisten Umwelt‑, Klima- und Energieminister*innen kamen auch Vertreter*innen der EU, der Vereinten Nationen und weiterer internationaler Organisationen in die ehemalige Hafen-Lagerhalle, um an dem inoffiziellen Programm teilzunehmen und mitzudiskutieren.

Fossile Lieferengpässe als Chance der Erneuerbaren?

Ziel des Petersberger Klimadialogs ist es, Chancen für internationale Kooperation auszuloten, um die globale Erwärmung zu begrenzen. Zudem besprechen die Minister*innen dort Themen, die auf der folgenden Weltklimakonferenz anvisiert werden könnten.

Dieses Jahr prägte vor allem die Sorge um die Energiekrise die Stimmung am Westhafen – egal, ob man den Pressekonferenzen folgte oder den Gesprächen der Minister*innen lauschte. Dabei waren sich fast alle Beteiligten einig: Die aktuellen Lieferengpässe machen vor allem deutlich, wie riskant die Abhängigkeit von Öl und Gas sein kann.

So gab Deutschlands Umweltminister Carsten Schneider zu bedenken, dass die Abhängigkeit von fossilen Energien auch hierzulande ein nicht zu kalkulierendes Risiko sei. Und auch Bundeskanzler Friedrich Merz schlug einen ähnlichen Ton an. »Angesichts der anhaltenden Krise müssen wir mit einer weiterhin turbulenten geopolitischen und wirtschaftlichen Lage rechnen. Jetzt müssen wir Lieferkettenabhängigkeiten vermeiden und vorbereitet sein, falls diese ausgenutzt werden«, warnte der CDU-Politiker.

Doch zwischen den beiden Politikern gab es auch Uneinigkeiten. Etwa in der Frage, inwiefern erneuerbare Energien die Lösung für die geopolitische Lage darstellen könnten. Denn mit den Worten »Erneuerbare sind Sicherheitsenergien« nannte Schneider bereits in seiner Eröffnungsrede die von ihm bevorzugte Lösung. »Ich bin sicher, dass die aktuelle fossile Energiekrise für eine Beschleunigung der Elektrifizierung sorgt«, so der SPD-Minister.

Und tatsächlich könnte die Preisexplosion bei Öl und Gas weltweit einen Umbruch auslösen: weg von fossilen Energien, hin zu Elektrifizierung und Erneuerbaren. So hat beispielsweise Indien bereits Pläne für neue Gaskraftwerke gestrichen, und viele Staaten des globalen Südens präsentierten ambitionierte Ausbaupläne für Wind- und Solarenergie.

Friedrich Merz hingegen schränkte seine Bereitschaft, den Erneuerbaren den Rücken zu stärken, ein. »Wir müssen den Wohlstand weiter sichern«, argumentierte Merz. »Und ein echter Fortschritt hängt von guten Partnerschaften in der Industrie ab.« Die industrielle Basis dürfe der Klimaschutz nicht gefährden. »Eine Transformation, die zur Deindustrialisierung führt, wird in der Bevölkerung keine Akzeptanz finden und letztlich Innovationen behindern.«

Vor dem Petersberg-Treffen hatte es die Hoffnung gegeben, der Dialog könnte ein Ausgangspunkt für erfolgreiche Gespräche nur wenige Tage später in Kolumbien sein, wo die erste internationale Konferenz zur Abkehr von Kohle, Öl und Gas – zur »Transition Away from Fossil Fuels« (TAFF) – stattfindet. »Im Vorfeld der Konferenz in Santa Marta sollte Deutschland gemeinsam mit internationalen Partnern greifbare Fortschritte für den Fahrplan der brasilianischen COP-30-Präsidentschaft zur Abkehr von fossilen Energien ermöglichen«, forderte Laura Schäfer von der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch vor einigen Tagen.

Auf der UN-Klimakonferenz COP 30 im vergangenen November in Belém war TAFF eines der Hauptthemen, wenn nicht sogar das zentrale Thema. Denn gegen Ende der Konferenz in Brasilien wurde ein konkreter Fahrplan zur Abkehr von den fossilen Energien diskutiert.

Das Besondere daran: Der Fossil-Ausstieg war stets ein Tabuthema, auch nach dem Pariser Klimaabkommen von 2015. Und das, obwohl Treibhausgasminderung vor allem einen Stopp der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas bedeutet. Der Übergang weg vom fossilen Energiesystem wurde erst vor zweieinhalb Jahren auf der Weltklimakonferenz in Dubai beschlossen.

Kohle- und Gasstopp wird hinausgezögert

Doch beim Klimadialog wurden hierzu keine konkreten Vorschläge präsentiert. »Wir unterstützen diese Bemühungen, aus dem Verbrennen von Öl und Gas herauszugehen und zu einer Elektrifizierung zu kommen«, bemerkte Klimaminister Schneider dazu lediglich.

Neben dem Erneuerbaren-Ausbau und der Abkehr von den fossilen Energien steht die Bundesregierung zudem vor der Aufgabe, ein neues Ziel für die internationale Klimafinanzierung vorzulegen. Das bisherige deutsche Finanzierungsziel ist 2025 ausgelaufen. »Klimafinanzierung ist eine zentrale Voraussetzung für Vertrauen und Fortschritt in den internationalen Verhandlungen«, mahnte Ute Sudmann, Germanwatch-Expertin für zukunftsfähige Finanzflüsse. Vor allem, da die vergangene Weltklimakonferenz gezeigt habe, dass viele Länder des globalen Südens nur dann bereit sind, aus fossilen Energien auszusteigen, wenn sie ausreichend Geld zur Anpassung an die Klimakrise bekommen.

Doch beim Petersberger Klimadialog bekräftigte Umweltminister Schneider lediglich, dass Deutschland ein verlässlicher Partner in Bezug auf die internationale Klimafinanzierung sei. Weder er noch der Bundeskanzler nannten eine konkrete Summe für ein neues Ziel.

Quelle: nd DER TAG 23.04.2026