Nachhaltig­keit als globale Heraus­forderung

Erdüberlastungstage global und national

Der Erdüberlastungstag (englisch Earth Overshoot Day, zunehmend seltener auch „Ecological Debt Day“, „Welterschöpfungstag“, „Weltüberlastungstag“ oder „Ökoschuldentag“) ist in einer jährlichen Kampagne der Organisation Global Footprint Network der Tag des laufenden Jahres, an dem die menschliche Nachfrage nach nachwachsenden Rohstoffen das Angebot und die Kapazität der Erde zur Reproduktion dieser Ressourcen in diesem Jahr übersteigt. Der Erdüberlastungstag ist ein Aktionstag.

Jahr Datum Globaler Verbrauch in Erde-Einheiten / Verbrauch auf Deutschland reproduziert
1961 15. Mai 1962 0,73 (In diesem Jahr ließ die globale Ressourceninanspruchnahme/Jahr noch Reserven übrig)
1970 29. Dezemb. 1,01 (Seitdem übersteigt der Verbrauch/Jahr die global zur Verfügung stehenden Ressourcen)
1971 20. Dezemb. 1,03 Planeten Erde stellten ihre Ressourcen zur Verfügung
1972 10. Dezemb. 1,06
1973 26. Novemb. 1,10
1974 27. Novemb. 1,10
1975 30. Novemb. 1,09
1976 16. Novemb. 1,14
1977 11. Novemb. 1,16
1978 7. Novemb. 1,17
1979 29. Oktober 1,21
1980   4. Novemb. 1,18
1981 11. Novemb. 1,16
1982 15. Novemb. 1,14
1983 14. Novemb. 1,15
1984   6. Novemb. 1,18
1985   4. Novemb. 1,19
1986 30. Oktober 1,20
1987 23. Oktober 1,23
1988 15. Oktober 1,27
1989 11. Oktober 1,29
1990 11. Oktober 1,29
1991 10. Oktober 1,29
1992 12. Oktober 1,28
1993 12. Oktober 1,28
1994 10. Oktober 1,29
1995   4. Oktober 1,32
1996   2. Oktober 1,33
1997 29. Septemb. 1,34
1998 29. Septemb. 1,34
1999 29. Septemb. 1,34
2000 23. Septemb. 1,38
2001 22. Septemb. 1,38
2002 19. Septemb. 1,39
2003   9. Septemb. 1,45
2004   1. Septemb. 1,49
2005 25. August 1,54
2006 19. August 1,58
2007 14. August 1,62
2008 14. August 1,62
2009 18. August 1,59
2010   7. August 1,67
2011   4. August 1,69
2012   4. August 1,69
2013   3. August 1,70
2014   4. August 1,69
2015   5. August 1,68
2016   5. August 1,68
2017   1. August 1,71 / Deutschland 24. April
2018 29. Juli 1,74 / Deutschland 02. Mai
2019 29. Juli 1,74 / Deutschland 03. Mai
2020 22. August 1,56 / Deutschland keine Angabe
2021 29. Juli 1,74 / Deutschland 05. Mai
2022 28. Juli 1,75 / Deutschland 04. Mai
2023   2. August 1,70 / Deutschland 04. Mai
2024   1. August 1,70 / Deutschland 02. Mai
2025 24. Juli          / Deutschland 05. Mai
2026          / Deutschland 10. Mai
Internationale und nationale Gedenktage

Januar
11.01. Tag des deutschen Apfels
21.01. Ehrentage der Hörnchen
26.01. Tag der Umweltbildung + Tag der sauberen Energie
29.01. Tag des Blindenhundes
31.01. Zebra-Tag

Februar
02.02. Tag der Feuchtgebiete + Tag des Igels
10.02. Tag der Hülsenfrüchte
12.02. Internationaler Darwin-Tag
13.02. Tag des Wals
15.02. Tag des Regenwurms + Welttag der Schuppentiere

März
03.03. Tag des Artenschutzes
14.03. Erfahre-mehr-über-Schmetterlinge-Tag
20.03. Weltspatzentag
21.03. Tag des Waldes + Welttag der Gletscher
22.03. Weltwassertag + Tag der Robben + Earth Day
28.03. Ehrentag des Unkrauts

April
03.04. Welttag der Wassertiere
07.04. Tag des Bibers
13.04. Tag der Pflanze
22.04. Tag der Erde
23.04. Tag der Streuobstwiese
25.04. Tag des Baumes + Welt-Pinguin-Tag
27.04. Welttag der Möwen
28.04. Rettet-die-Frösche-Tag
30.04. Tag des Wolfes

Mai
02.05. Tag des Thunfischs
08.05. Welttag des Esels
10.05. Weltzugvogeltag I
16.05. Tag der Urzeitkrebse
20.05. Weltbienentag
21.05. Tag der kulturellen Vielfalt
22.05. Tag der Artenvielfalt
23.05. Weltschildkrötentag
24.05. Tag der Parke + Tag der Weinbergschnecke
29.05. Tag der Otter
30.05. Tag der Kartoffel
31.05. Welttag der Papgeien

Juni
01.06. UNESCO-Welterbetag + Weltbauerntag
05.06. Weltumwelttag + Tag gegen illegale Fischerei
08.06. Welttag der Ozeane
09.06. Tag des Gartens
11.06. Tag des Luchses
16.06. Tag der Meersschildkröten
17.06. Tag der Krokodile + Tag gegen Wüstenbildung
21.06. Welttag der Giraffe
22.06. Welttag der Kamele
26.06. Bärengedenktag
29.06. Tag der Tropen

Juli
03.07. Tag der Erdmännchen
06.07. Welttag der ländlichen Entwicklung
16.07. Welttag der Schlange
26.07. Weltmangroventag
28.07. Welttag des Naturschutzes
29.07. Welttag des Tigers
31.07. Welt-Ranger-Tag

August
04.08. Ehrentag der Eulen
08.08. Internationaler Katzentag
09.08. Tag der indigenen Völker
10.08. Tag des Löwen
12.08. Weltelefantentag
14.08. Welttag der Eidechsen
19.08. Tag des Oran-Utans
20.08. Welt-Moskito-Tag
22.08. Tag der Fische

September
14.09. Tag der Tropenwälder
16.09. Tag der Erhaltung der Ozonschicht
21.09. Tag des Geotops
22.09. Welt-Nashorn-Tag
24.09. Welttag des Gorillas
27.09. Tag der Pilze + Tag der Hasen
28.09. Tag der Flüsse

Oktober
01.10. Ehrentag des Waschbären
04.10. Welttierschutztag
07.10. Weltbaumwolltag
08.10. Welttag der Kraken
10.10. Welthundetag
11.10. Weltzugvogeltag II
13.10. Tag zur Verhinderung von Naturkatastrophen
16.10. Welternährungstag
17.10. Tag der Trittsteinbiotope
20.10. Tag des Faultiers
23.10. Tag des Schneeleoparden
31.10. Welt-Lemuren-Tag

November
03.11. Welttag der Quallen
05.11. Tag gegen Umweltausbeutung in Kriegen
09.11. Rettet-die-Kastanien-Tag
24.11. Tag der Sardine
29.11. Welttag des Ameisenbären

Dezember
04.12. Internationaler Gepardentag
05.12. Weltbodentag
07.12. Rettet-die-Haie-Tag
10.12. Tag der Tierrechte
11.12. Tag der Berge
14.12. Tag der Affen

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Klimakosten schwer zu beziffern Die steigenden globalen Temperaturen beeinträchtigen Ernten, Lieferketten und Arbeitsproduktivität. Doch wie teuer genau wird es?

Klimakosten schwer zu beziffern

Die steigenden globalen Temperaturen beeinträchtigen Ernten, Lieferketten und Arbeitsproduktivität. Doch wie teuer genau wird es?

Quelle: ND DIE WOCHE, 19.09.2026

Wer in den letzten Tagen und Wochen die Nachrichten konsumiert hat, kam an einem Thema nicht vorbei: der aktuellen Hitzewelle und ihren Folgen.
Unter anderem verkündete der Deutsche Bauernverband, dass die Landwirte wegen des trockenen Frühlings und der Hitzewelle in der zweiten Junihälfte dieses Jahr fast zehn Prozent weniger Getreide geerntet hätten als im Vorjahr.
Da ein großer Teil der Ernte zu Tierfutter verarbeitet wird, brechen die Futtermittelbestände etwa aus Mais und Raps drastisch ein, was Landwirte zwingt, Tiere früher als geplant schlachten zu lassen.

Auch in anderen Regionen der Welt machen Hitze und Dürre der Agrarwirtschaft zu schaffen, teilweise schon seit Jahren. Die Effekte des Klimawandels setzen zum Beispiel der Kakaoernte zu. Langanhaltende Dürren und darauffolgende Regenperioden der Hauptanbaugebiete in Westafrika führen zu Erkrankungen der Pflanzen und zu Missernten. Die Folge: Innerhalb von vier Jahren stiegen die Importpreise für Kakaobohnen auf mehr als das Dreifache, und Schokolade verteuerte sich um 40 Prozent. Ganz allgemein lassen solche temperaturbedingten Ernteausfälle – neben internationalen Krisen und erhöhten Energiekosten – die Nahrungsmittelpreise steigen, in Deutschland laut Statistischem Bundesamt um rund ein Drittel seit 2020.

Neben den Lebensmittelpreisen treibt der Klimawandel auf ganz unterschiedlichen Wegen die volkswirtschaftlichen Kosten – und somit am Ende die Kosten für alle – in die Höhe. Die zunehmende globale Durchschnittstemperatur lässt den Meeresspiegel ansteigen und macht extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen, Überschwemmungen oder Waldbrände weltweit wahrscheinlicher. Das alles verursacht immense Kosten. Nach der Jahrhundertflut im Ahrtal 2021 mussten beispielsweise Brücken repariert, Häuser wiederaufgebaut und die lokale Stromversorgung wieder in Gang gebracht werden.

Flutschäden in Europa: über 200 Milliarden Euro

»Hochwasser sind extrem teuer – und sie häufen sich«, warnt Milo Bogaerts, Chef von Allianz Trade. »Und die ökonomischen Folgewirkungen erfassen die gesamte Volkswirtschaft.« Laut einer aktuellen Studie des Kreditversicherers steigen etwa die direkten Flutschäden seit 25 Jahren kontinuierlich an und summieren sich mittlerweile europaweit auf über 200 Milliarden Euro.

Quelle: nd DIE WOCHE 20.09.2026

Die neue Wucht des Feuers Der Klimawandel führt dazu, dass sich Waldbrände schneller ausbreiten und immer vernichtender werden. Wälder können sich so schlechter regenerieren.

Die neue Wucht des Feuers

Der Klimawandel führt dazu, dass sich Waldbrände schneller ausbreiten und immer vernichtender werden. Wälder können sich so schlechter regenerieren.

Quelle: nd Der Tag 03.09.2026

Große Hitze und lange Trockenheit schufen diesen Sommer auf der Nordhalbkugel exzellente Voraussetzungen für Waldbrände. Besonders schlimm traf es die Südwestküste Frankreichs Spanien, aber auch den Westen Nordamerikas, wo Zehntausende von Menschen evakuiert werden mussten. Doch im Zuge der globalen Erderwärmung nehmen nicht nur die Häufigkeit und Ausdehnung unkontrollierter Brände zu, sondern auch das Tempo ihrer Ausbreitung und damit ihre Intensität.

Wie eine vor Kurzem erschienene Studie im Fachjournal »Science Advances« zeigt, ist dies ausschlaggebend dafür, wie sich die Brände auf das jeweilige Ökosystem auswirken. »Die Leute schauen oft auf die Größe von Waldbränden, weil es das ist, was Schlagzeilen macht«, sagt Erstautor und Professor für Umwelt und Nachhaltigkeit an der Western Colorado University, Jonathan Coop. »Aber wie Feuer brennen, ist genauso wichtig.«

Wildfeuer, also unbeabsichtigte und unkontrollierte Feuer, spielen eine wichtige Rolle in der Ökologie und damit für das Bestehen der Wälder im Westen Nordamerikas. Doch nicht in ihrer neuen Dimension: Die schnelleren Brände heute verschlingen nicht nur die Vegetation am Boden, sondern ganze Baumbestände. Zurück bleiben weitgehend baumlose Flächen mit einer geringeren Regenerationsfähigkeit.

Coop und sein Team untersuchten anhand von Satellitenbildern die Auswirkungen von rund 3500 Bränden in Nadelbaum-dominierten Wäldern Kanadas und der West-USA im Zeitraum von 2012 bis 2023. Dabei dokumentierten sie an 33 600 Tagen, also an jedem Tag, an dem es brannte, Wachstum und Intensität der Feuer. Es zeigte sich, dass eine relativ kleine Zahl sich schnell ausbreitender Brände eine überproportional große Fläche niederbrannte: An den zehn Tagen, an denen die Feuer am schlimmsten wüteten, verbrannte ebenso viel Fläche wie an den 14 000 Tagen, an denen die Waldbrände am langsamsten um sich griffen.

Tödliche Kronenfeuer

Am schnellsten breiten sich Feuer im Grasland aus. Die ökologischen Folgen bleiben dort normalerweise überschaubar, da nur wenig Biomasse verbrennt und schnell wieder nachwächst. Im Wald dagegen pflanzen sich Kronenfeuer am schnellsten fort. Das Feuer klettert über große Mengen brennbares Material in höhere Etagen und springt dann horizontal von Baum zu Baum. Das lange nachglühende Totholz führt zu hohen Temperaturen im Boden und an den Stammfüßen. So wird begünstigt, dass das Feuer in die Stämme und den Wurzelraum eindringt.

Solche Ereignisse sind für die Bäume in den meisten nordamerikanischen Nadelwäldern tödlich. Weniger als ein Prozent der dort vorkommenden Baumarten besitzt die Fähigkeit, nach einem Kronenbrand wieder auszutreiben. Damit haben diese Wälder kaum eine Chance, sich zu erholen, zumal bei größeren Bränden auch der Abstand zu überlebenden Bäumen wächst, die Samen spenden könnten.

Tatsächlich hängt die Regenerationsfähigkeit der Nadelbäume im Westen Nordamerikas von der Schwere der Brände ab. Viele dort beheimate Arten haben eine dicke Rinde, wie etwa die Gelbkiefer (Pinus ponderosa) oder der Riesenmammutbaum (Sequoiadendron giganteum), und können sich damit gut gegen leichtere Oberflächenbrände behaupten. Mammutbäume sind sogar auf Feuer angewiesen, um sich zu vermehren. Nur durch die Hitze von Feuer öffnen sich ihre Zapfen. Ebenso verhält es sich bei den Küstenkiefern (Pinus contorta). Als Pionierbaumart profitiert sie von den Bränden, denn sie ist die Erste, die sich wieder auf verbrannten Flächen ansiedelt. Doch werden nun auch Wälder, die bislang durch Brände niedrigerer Intensität charakterisiert waren, verstärkt durch Kronenfeuer vernichtet, wogegen auch diese spezialisierten Baumarten nicht ankommen.

Die schnelleren Brände heute verschlingen nicht nur die Vegetation am Boden, sondern ganze Baumbestände.

Besonders dramatisch ist der Verlust alter Wälder. So starben bei schweren Bränden im Jahr 2022 ungewöhnlich viele alte Riesenmammutbäume. Coop begründet dies mit langen Trockenperioden und Hitze im Zuge des Klimawandels, aber auch mit der Bewirtschaftung und dem Feuermanagement heute: Früher hielten häufige Brände den Wald offen und verhinderten so, dass sich große Mengen Unterwuchs und Totholz ansammeln konnten. Das änderte sich mit der Vertreibung der indigenen Bevölkerung. Die Wälder werden nicht mehr beweidet und Feuer, wenn möglich, unterdrückt.

Das Team der Forscher*innen um Coop nimmt an, dass es bei eingeschränkter Naturverjüngung zu Artenverschiebungen kommen könnte. Gewinner könnten die strauchartigen Gambel-Eichen (Quercus gambellii) sein oder die weniger feueranfälligen Espen (Populus tremula), die ihr Saatgut über weite Distanzen verbreiten. Um schwere Brände zu vermeiden, brauche es eine aktive Waldbewirtschaftung mit Durchforstung – also der gezielten Entnahme von Bäumen, um Licht und Raum zu schaffen – sowie kontrollierten Bränden und der Steuerung von Bränden unter nicht extremen Bedingungen.

Das anschließende Forstmanagement könne unterschiedlich aussehen: »In einigen Fällen wünschen wir vielleicht, den Wald wieder so herzustellen wie er vorher war. In anderen können die Veränderungen, die mit dem Brand entstehen, eine Anpassung des Ökosystems an die gegenwärtigen oder zukünftigen Bedingungen darstellen«, erläutert Coop. Anderswo könne es der richtige Weg sein, Arten zu pflanzen, die besser an die zukünftigen Gegebenheiten angepasst seien.

Feuerwetter in Europa

Auch in Europa kämpfen die Wälder durch die globale Erderwärmung mit neuen Voraussetzungen und Herausforderungen. So setzte die Waldbrandsaison dieses Jahr ungewöhnlich früh ein. Laut dem »Redaktionsnetzwerk Deutschland« verbrannte in der Woche vom 15. bis zum 22. Juli mit 186 000 Hektar Land in Europa siebenmal so viel Fläche wie im Vergleichszeitraum der vergangenen 20 Jahre im Durchschnitt. Und obwohl aktuell vielerorts wechselhafteres und kühleres Wetter Entspannung bringt, brennt es in Südosteuropa noch immer.

»Bedingt durch den Klimawandel stellen sich seit einigen Jahren vermehrt Großwetterlagen ein, die warme und trockene Luftmassen von Nordafrika über Südwesteuropa bis nach Mitteleuropa bringen. Anhaltende Hochdruckgebiete blockieren die Westwinddrift und damit das Nachrücken von Tiefdruckgebieten mit Niederschlägen«, erklärt der Feuerökologe und Leiter des Global Fire Monitoring Center (GFMC) des Max-Planck-Instituts für Chemie und der Universität Freiburg, Johann Georg Goldammer. Die Folge sind langandauernde Trockenheit und Hitzewellen. »Das meteorologisch bedingte Risiko von Wildfeuern in Deutschland hängt von diesen Wetterlagen ab«, sagt er. Mittel- und langfristige Vorhersagen deuten für die Zeiträume von Mitte Juli bis Mitte August im Südwesten und Nordosten Deutschlands sowie von Mitte September bis Mitte Oktober im ganzen Land auf eine extreme Waldbrandgefahr hin.

Erfahrungen der letzten Jahre zeigen dabei, dass anders als bislang gedacht nicht nur Nadel-, sondern auch Laubwälder für lange Dürren und Brände anfällig sind. Auch treffen sich schnell ausbreitende Feuer, nicht nur Wälder, sondern auch Kulturlandschaften und Siedlungen. Das GFMC spricht deshalb von Landschaftsbränden, die auch in ihrer Gesamtheit in Statistiken abgebildet werden sollten.

In einem vor Kurzem erschienenen Positionspapier empfiehlt das GFMC ein »integriertes Feuermanagement«: Wie es auch Coop und Kolleg*innen propagieren, soll das Feuer in kontrollierter Form wieder in die Bewirtschaftung integriert und die Zivilbevölkerung in die Prävention von Bränden miteinbezogen werden. So werden schon heute in Deutschland kontrollierte oberflächliche Brände zur Entwaldung und Revitalisierung ökologisch wertvoller Offenland-Lebensräume, wie etwa Zwergstrauchheiden, eingesetzt.

Laut Stephan Gabriel Haufe, Pressesprecher im Bundesumweltministerium, hat sich das integrierte Feuermanagement international und europäisch als Paradigmenwechsel durchgesetzt. »International setzt der Global Fire Monitoring Hub von FAO/Unep die Entwicklung von Strategien und Maßnahmen eines integrierten Feuermanagements um. Dieser wurde von der Bundesregierung auch in Zusammenarbeit mit dem GFMC mitinitiiert«, erklärt Haufe.

Um große und schwere Waldbrände zu verhindern, plädiert Goldammer dafür, in besonders gefährdeten oder für den Naturschutz wichtigen Waldgebieten und entlang von Wegen und an Siedlungsgrenzen sogenannte Waldschutzkorridore anzulegen. Dort wird der Wald aufgelichtet, stark durchforstet und Totholz entfernt, sodass ein möglicher Brand an Tempo verliert und gelöscht werden kann. Erprobt wird das bereits im brandenburgischen Beelitz. Die Gemeinde beteiligt sich auch an dem Forschungsprojekt PreGraze, mittels dessen der Schutzstreifen kontrolliert beweidet wird, um den Unterwuchs niedrig zu halten. Gleichzeitig entstehen dadurch vielfältige Lebensräume für Pflanzen und Tiere.

Mittel- und langfristig werden sich auch die Wälder in Deutschland verändern. Wie heute die Wälder im Mittelmeerraum könnten sie niedriger und lichter und damit resilienter gegen Brände sein. Gleichzeitig speichern sie damit vermutlich weniger CO₂ als die heutigen mitteleuropäischen Mischwälder. Dies gilt es miteinzubeziehen, wenn Wälder als Kohlenstoffsenken die hohen fossilen Emissionen kompensieren sollen.

Angesichts der sich generell zuspitzenden Lage im globalen Klimawandel regt das GFMC an, eine fachübergreifende, nationale ständige Klimakonferenz einzurichten, die Phänomene wie den temporären Niedrigstand des Rheins, aber auch die Gefährdung der Wälder durch Dürre, Feuer, Stürme und Starkregen als Ganzes betrachtet. Die Idee dafür lehnt sich an Formate wie den Petersberger Klimadialog an, wo die jährlichen Klimakonferenzen vorbereitet werden, oder an Runde Tische zu bestimmten Themen. Dabei sollen neben Regierung oder Behörden auch Wissenschaft und Zivilbevölkerung vertreten sein.

Auf nd-Anfrage, ob Deutschland von einer neu einzurichtenden nationalen Ständigen Klimakonferenz profitieren könne, weist das Bundesumweltministerium darauf hin, »dass Bund und Länder sich bereits in verschiedenen Gremien und Allianzen zur Anpassung an den Klimawandel austauschen«. Dies geschehe beispielsweise in der »Strategischen Behördenallianz Klimaanpassung in Bevölkerungsschutz und räumlicher Planung« unter Beteiligung des Umweltbundesamtes.

Quelle: nd Der Tag 03.09.2026

Hitzewellen verschärfen Europas Dürren Die Erderwärmung lässt Wasser schneller verdunsten und macht landwirtschaftliche Trockenheit in Westeuropa etwa fünfmal wahrscheinlicher.

Hitzewellen verschärfen Europas Dürren

Die Erderwärmung lässt Wasser schneller verdunsten und macht landwirtschaftliche Trockenheit in Westeuropa etwa fünfmal wahrscheinlicher.

Quelle: nd Der Tag, 30.07.2026

Hitzewelle und Waldbrand – seit Beginn des Sommers bestimmt eine Schreckensnachricht nach der anderen die Schlagzeilen. Dabei wird eine schleichende Katastrophe fast übersehen: die zunehmende Trockenheit, die Europa heimsucht. Denn während andere Weltregionen – vor allem Teile Afrikas – in den vergangenen Jahren eher feuchter geworden sind, verliert Europa seit rund zehn Jahren immer mehr Wasser. Schon jetzt führen die extrem trockenen Bedingungen zu landwirtschaftlichen Verlusten, zu Waldbränden wie denen, die derzeit in Spanien und Frankreich wüten und zu historisch niedrigen Flusspegeln. Französische Landwirte erleben ihre schlechteste Maisernte seit 50 Jahren, während Rumänien über eine Million Hektar Anbaufläche verloren hat.

Wieder einmal ist es die Klimakrise, die solche Extremwetterereignisse verstärkt. Zum einen verändert sie die globalen Niederschlagsmuster, was Böden in Europa austrocknen lässt. Zum anderen lassen die steigenden Temperaturen die Wasserreserven verdunsten. Und dies wiederum ist einer der treibenden Faktoren hinter den Waldbränden in Südeuropa.

Während die massiven Feuer eine indirekte Folge der Erderwärmung sind, lässt sich ermitteln, wie groß der Einfluss des Klimawandels auf die europäischen Dürren ist. Die internationale Forschungsgruppe World Weather Attribution (WWA) vergleicht in ihren Computersimulationen – vereinfacht gesagt – das heutige Klima bei einer globalen Erwärmung von rund 1,4 Grad Celsius mit den Bedingungen der vorindustriellen Zeit. Anschließend wird ermittelt, wie viel häufiger eine Dürre jetzt auftritt.

Es zeigte sich, dass der Niederschlagsmangel über Westeuropa nicht eindeutig auf den Klimawandel zurückzuführen ist. Allerdings hat die extreme Hitze die Verdunstung stark beschleunigt. Sogar so sehr, dass solche Bedingungen über Westeuropa heute etwa 80-mal wahrscheinlicher sind. Über Osteuropa ist die hitzebedingte Verdunstung etwa 40-mal wahrscheinlicher geworden. »Das Klima in Europa verändert sich schnell«, sagt Sarah Kew, Hauptautorin der WWA-Untersuchung und Klimawissenschaftlerin beim niederländischen Wetterdienst. »Obwohl die Niederschlagsmuster gemischt bleiben, zeigen unsere Ergebnisse, dass extreme Hitze zur Hauptursache für Dürre auf unserem Kontinent wird.«

Um die Auswirkungen auf die landwirtschaftliche und ökologische Dürre zu quantifizieren, analysierten die Wissenschaftler*innen darüber hinaus für zwölf europäische Länder die langfristigen Trends bei Niederschlägen und Bodenfeuchte. Zudem ermittelten sie für die Länder die sogenannte potenzielle Evapotranspiration – ein Maß für die Fähigkeit, Feuchtigkeit an der Erdoberfläche zu verdunsten. Auch hier zeigte sich: Niederschlagsdefizite wie in diesem Jahr haben in früherer Zeit weniger schwere Dürren verursacht. Erst durch die zusätzliche Sommerhitze wird dem Boden schnell Feuchtigkeit entzogen.

»Das ist menschengemacht: Mit steigenden Temperaturen nimmt der ›Durst‹ der Atmosphäre schnell zu und entzieht Flüssen, Seen, Speichern und Böden Feuchtigkeit«, erläutert Mitautor Dominik Schumacher von der ETH Zürich. »Das verändert grundlegend, wie Dürren in Europa entstehen – immer weniger durch fehlenden Regen und immer mehr durch wärmere Luft, die verhindert, dass Wasser im Boden bleibt.«

Auf diese Weise ist eine landwirtschaftliche Bodendürre in Westeuropa durch den Klimawandel etwa fünfmal wahrscheinlicher geworden. In Osteuropa, wo trockene Bedingungen seit sechs Monaten anhalten, ist diese heute rund elfmal wahrscheinlicher.

Studien-Mitautorin Mariam Zachariah vom Imperial College London hält es für »besonders alarmierend«, dass diese Bedingungen bereits jetzt bei 1,4 Grad Erwärmung auftreten. »Wenn die globalen Emissionen die Temperaturen wie prognostiziert auf 2,8 Grad steigen lassen, könnten sich diese intensiven Verdunstungsbedingungen in ihrer Häufigkeit verdoppeln – und solche Dürren zur Regel werden.«

Die Folgen wären Ernteausfälle, niedrige Flusspegel und Belastungen im Energiesektor. Das wiederum könnte die Preise für lebenswichtige Güter erhöhen und Haushalte mit geringen Einkommen besonders belasten.

»Diese Krise trifft nicht nur Landwirte, sie wirkt sich auf die verletzlichsten Bevölkerungsgruppen aus«, kommentiert die Politikwissenschaftlerin Merel Laauwen von der Universität Wageningen, die nicht an der Studie beteiligt war. »Und obwohl die Wissenschaft zeigt, dass Dürren künftig häufiger und intensiver werden, sind Dürremanagementpläne in der EU nicht verpflichtend und die Vorsorge in den europäischen Ländern ist uneinheitlich.«

Neben der Anpassung fehlen aber auch grundlegende Maßnahmen, um dem Klimawandel als Verstärker der Dürren Einhalt zu gebieten. »Wir müssen viel schneller auf erneuerbare Energien umsteigen – die inzwischen günstiger sind als fossile Brennstoffe«, mahnt Simon Stiell, Chef des UN-Klimasekretariats. Auch brauche es Investitionen in die Elektrifizierung der Wirtschaft und in einen besseren Schutz von Kommunen von Unternehmen. »Solange die Menschheit weiterhin große Mengen an Kohle, Öl und Gas verbrennt, werden diese klimabedingten Dürren immer schlimmer und teurer.«

Quelle: nd Der Tag, 30.07.2026

Neue Studie: Amazonas nah am Kipppunkt Entwaldung und Klimaerwärmung könnten den südamerikanischen Regenwald bald an seine Grenzen bringen. Ein neuer El Niño lässt Dürre befürchten.

Neue Studie: Amazonas nah am Kipppunkt

Entwaldung und Klimaerwärmung könnten den südamerikanischen Regenwald bald an seine Grenzen bringen. Ein neuer El Niño lässt Dürre befürchten.

Quelle: nd DER TAG 20.05.2026

Der Amazonas-Regenwald beherbergt nicht nur eine unfassbare Fülle verschiedenster Lebewesen, er speichert in seiner Biomasse auch gewaltige Mengen Kohlenstoff. Damit ist er ein zentraler Bestandteil des Klimasystems der Erde. Er zählt dabei zu den sogenannten Kippelementen: Werden kritische Grenzwerte überschritten, setzen selbstverstärkende Prozesse ein, die dazu führen, dass große Teile dieses einzigartigen Ökosystems absterben und sich in eine Art Savanne verwandeln – mit weitreichenden Folgen für den Wasserhaushalt großer Teile des Kontinents sowie für den ganzen Planeten. Und dieser Kipppunkt könnte gefährlich nahe sein.

Zu schaffen macht dem Amazonas-Regenwald zweierlei: die Entwaldung und die globale Erderwärmung. Viele Hektar fallen jedes Jahr Holzschlag, Viehzucht und Sojaanbau zum Opfer. Etwa 17 bis 18 Prozent der ursprünglichen Waldfläche sind schon verschwunden. Namentlich der Südosten ist bereits stark fragmentiert. Unter dem brasilianischen Präsidenten Lula da Silva konnte diese Entwicklung zwar abgeschwächt, aber nicht gestoppt werden. Starke Dürre und großflächige Brände trieben 2024 die Entwaldungsrate in ungekannte Höhen.

Der anthropogene Klimawandel bedroht das Ökosystem seinerseits durch steigende Temperaturen und veränderte Niederschlagsmuster. Dabei interagiert er mit der Abholzung, denn der Amazonas wird nicht nur durch den südamerikanischen Monsun mit Regen versorgt, sondern ist selber Teil des kontinentalen Wasserkreislaufs, indem er über die Wurzeln Wasser aufnimmt und über die Blätter wieder an die Atmosphäre abgibt. Je stärker die Waldfläche schrumpft, desto weniger Wasser verdunstet und gelangt über die Passatwinde tiefer ins Innere des Kontinents, um dort abzuregnen. Dies ist für die Existenz der dortigen, noch weitgehend intakten Waldgebiete von essenzieller Bedeutung ebenso wie für die Landwirtschaft des gesamten La-Plata-Beckens.

Eine Anfang des Monats im Fachjournal »Nature« erschienene Studie von Nico Wunderling vom Potsdam-Institut für Klimafolgen-forschung (PIK) und Kolleg*innen liefert erschreckend niedrige Grenzwerte, ab wann der Amazonas, wenn sich seine Abholzung fortsetzt, bereits kippen könnte. Bei einem Waldverlust von 22 bis 28 Prozent reiche bereits eine globale Erwärmung von 1,5 bis 1,9 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter, um zwei Drittel des südamerikanischen Regenwalds in eine Savanne zu verwandeln. Ohne eine weitere Rodung läge der Kipppunkt erst bei 3,7 bis 4 Grad.

nd DER TAG 20.05.2026

Plastik mit Heizeffekt – Feine Kunststoffpartikel in der Luft absorbieren Sonnenlicht

Plastik mit Heizeffekt
Feine Kunststoffpartikel in der Luft absorbieren Sonnenlicht
Quelle: nd DIE WOCHE 08.05.2026

Von den Ozeanen bis zu den Polen, vom Ackerboden bis zur Luft, die wir einatmen, Plastik, über die Zeit zerrieben zu den feinsten Partikel, ist überall. Es findet sich in tierischen und menschlichen Organen und selbst in der Muttermilch. So weit, so bekannt. Die zahlreichen Wirkungen, die die Verwandlung von Natur und Körpern in eine weltweite Plastiksphäre zur Folge hat, werden zum großen Teil noch erforscht. So können etwa Krankheitserreger auf Plastikteilen im Meer reisen.
Nicht nur die Umweltverschmutzung, sondern auch die Klimakrise könnte durch den vom Menschen in Umlauf gebrachten, erdöl-basierten Kunststoff weiter angetrieben werden. In erster Linie geschieht dies dadurch, dass bei der Herstellung, Müllverbrennung oder auch dem langsamen Zerfall CO2 freigesetzt wird.
Ein chinesisch-US-amerikanisches Forschungsteam macht mit einer neuen Arbeit nun darauf aufmerksam, dass Mikro- und Nanopartikel aus Plastik sich auch auf die Strahlungsbilanz auf der Erde auswirken könnte, das heißt darauf, welcher Teil der Stahlungsenergie der Sonne auf der Erde verbleibt und welcher wieder zurückgeworfen wird.
Aerosole, vor allem aus farbigem Plastik, sorgen laut einer im Fachjournal „Nature Climate Chance“ veröffentlichten Studie dafür, dass sich die Atmosphäre und damit auch die Erdoberfläche stärker erwärmt als ohne die Partikel. Damit verhalten diese sich ähnlich wie Rußteilchen, die ebendfalls die Sonneneinstrahlung absorbieren. Farbiges Nano- und Mikroplastik könnte zur globalen Erwärmung beitragen, und zwar in einer Größenordnung von rund 16 Prozent dessen, was derzeit auf Rußpartikel zurückgehe, heißt es in einer Mitteilung des Journals. Zwar wäre dieser Klimaeffekt weitaus geringer als der von Treibhausgasen, aber durchaus substanziell, wie der Wissenschaftler Gilberto Binda von der Iniversity of Insubria in einem begleitenden Artikel in dem Fachjournal kommentiert, „besonders wenn man bedenkt, dass Mikroplastik und Nanoplastik eine Klasse von Luftschadstoffen darstellen, die bisher in Klima-bilanzen nicht systematisch erforscht sind.“
Das Forschungsteam um Hongko Fu von der chinesischen Fundan University und der US-amerikanischen Duke University hat im Labor mittels Elektonenspektroskopie untersucht, wie stark Farbpartikel verschiedener Größe und Farben das Sonnenlicht absorbieren. Hier stellte sich heraus, dass sowohl Farbe als auch Größe eine wichtige Rolle spielen. Schwarze, rote und gelbe Partikel nehmen Wärme auf, erklärt Fu sagt weiter: „Nanopartikel sind winzug, aber wirkungsvoll. Sie bleiben länger in der Luft und absorbieren ungefähr zehn mal so viel Sonenlicht wie die gleiche Masse an Mikroplastik.“
„Wir wußten zuerst gar nicht, ob diese Partikel wärmen oder kühlen“, erläutert Ko-Autor Drew Schindell von der Duk University. „Der Netto-Effekt ist aber, dass fast alle Partikel erwärmend wirken.“ Das liegt vor allem daran, dass das meiste Nano- und Mikroplastik far-
big ist. Weiße Partikel hingegen können mehr Sonnenlicht reflektieren, kommen aber vergleichsweise selten vor.
Unabhängig von der Farbe können Aerosole auch das Klima abkühlen, je nachdem, aus welchem Stoff sie bestehen. Schwefel-säuretröpfchen etwa bilden einen Dunst, der Sonnenlicht abschirmt. Daher gibt es auch die wissenschaftliche These, dass ein Rückgang schwefelhaltiger Schiffsemissionen seit inkrafttreten neuer Grenzwerte im Jahr 2020 zur Erderwärmung beigetregen haben könnte – da eben deren kühlender Effekt weggefallen ist.
Dass Plastikartikel sich eher wie Ruß als wie Schwefel verhalten, ist vor diesem Hintergrund ein enormer Erkenntnisgewinn. Um die weiterreichenden Auswirkungen auf das Klima zu verstehen, kombinieren die Forschen ihre Labormessungen mit Modellen zum atmossphärischen Transport der Plastikpartikel. Denn um zu wissen, wie stark diese auf das Klima einwirken, muss man wissen, wie hoch die Konzentration in der Luft ist. Regional dürfte diese unterschiedlich groß sein. Fu vermutet beispielsweise einen größeren Klimaeffekt über dem Pazifikbereich, der als großer, pazifischer Müllstrudel bekannt ist. Denn hier gelangen wahrscheinlich größere Mengen des fein zerriebenen Materials in die Luft.
In der Modellierung liegen allerdings auch die größten Unwägbarkeiten der Studie. Shindell beziffert die Unwägbarkeiten der Ergebnisse auf plus/minus 50 Prozent bezüglich der optischen Eigenschaften der Partikel. Die Partikeldichte in der Atmosphäre könnte sogar um das Zweifache über- oder unterschätzt werden. Nicht an der Studie beteiligte Wissenschaftler halten die Unsicherheit hier sogar für größer. „Es gibt leider global nur sehr wenige Messdaten bezüglich der Konzentration von Mikro- und Nanoplastik in der Atmosphä-re, und die verschiedenen Mess- und Sammelmethoden führen oft zu unterschiedlichen Resultaten“, kommentiert Andreas Stohl, Professor für Meteorologie an der Universität Wien.
Die neue Studie kann nur ein Anfang sein, um die Auswirkungen von Mikro- und Nanoplastik auf das Klima besser zu verstehen. Eine genauere Überwachung und verbesserte globale Datensätze wären nötig, um den Effekt der Partikel in Klimamodelle einzubeziehen, schreibt Binda. „Da die Plastikproduktion weiterhin weltweit steigt, wird es immer dringender, die Rolle der Partikel in der Atmosphäre zu verstehen.“
Eine weitere interessante Fragestellung könnte sein, inwiefern die Aerosole aus Kunststoff die Wolkenbildung beeinflussen. Wie Ruß oder Staubpartikel könnten sie als Kondensationskeime fungieren, an denen Wolken entstehen. „In ausreichender Mengen könnten sie die Albedo, den Niederschlag und die Lebensdauer von Wolken verändern und damit insgesamt die Strahlungsbilanz und das Klima der Erde beeinlussen.“, heißt es in einem im Jahr 2022 in „Nature Geoscince“  veröffentlichten Artikel zur Wirkung von Mikro- und Nanoplastik in der Atmosphäre. Schon hier wird gefordert, mehr Wissen hinsichtlich der Konzentration und Größe dieser Teilchen zu erlangen.
Ungeachtet weiterer Forschung läßt sich wohl derzeit schon sagen, dass es auch dem Klima zugutekäme, die weltweite Plastikverschmutzung einzudämmen.

Quelle: nd DIE WOCHE 08.05.2026